Kaffee wird von vielen gemacht. Aber von wenigen repräsentiert.
– Das wollen wir ändern. Sei Teil der Lösung!
Es fehlt etwas im Specialty-Coffee Diskurs: Repräsentation. Zu oft wird über Röstung, Varietät und Geschmack gesprochen - zu selten über die Menschen, die den größten Anteil daran haben.
Westliche Labels sind laut. Die Herkunft oft nicht.
Kaffee wächst nicht hier. Und egal wie sorgfältig wir ihn rösten und veredeln - er bleibt nicht unser Produkt.
Sie ernten nicht unseren Kaffee. Sondern wir sind Teil ihres Kaffees:
PROZESS: 100% WASHED ARABICAANBAUHÖHE: 2040 M NOTEN: HASELNUSS, MILCHSCHOKOLADE, ORANGEMEDIUM ROAST: ESPRESSO | FÜR SIEBTRÄGER-FANSGANZE BOHNEDas ist (nicht)unser Kaffee — sondern der von Oliver Kishero:
Oliver (gesprochen Olivia) Kisheros Farm liegt in Buginanya in der hochgelegenen Mount-Elgon-Region — auf 2.040 Metern Höhe. Mit Witz, Unternehmergeist und einer tiefen Überzeugung von ihrem Kaffee ist Oliver nicht nur eine stolze Farmerin: Wer in der Mbale-Region über Women in Coffee spricht, der hört mit Sicherheit ihren Namen.
In jungen Jahren war sie Vorstandsmitglied einer Kooperative — und wurde früh geprägt davon, wie wichtig Repräsentation für Farmerinnen ist, und was passiert, wenn sie fehlt. Sie betont wie keine andere, die wir kennen: Es sind Frauen, die die meiste Arbeit machen auf den Kaffeefarmen. Frauen, die sich abrackern. Aber fast immer Männer, die die Farmen besitzen und den Gewinn verwalten. Das will sie ändern. Nach dem Prinzip, das sie regelmäßig zitiert: „If you educate a woman, you educate the whole nation." Seit Jahrzehnten organisiert sie daher Trainings für Frauen aus der Region zu Kaffeeanbau und finanzieller Selbstbestimmung — und baut gerade eine Kooperative auf, die ihre Mitglieder durch Mikrokredite, Maschinen und gemeinsamen Verkauf unterstützt, um neue Märkte zu erschließen.
Bei unserem letzten Besuch haben wir sie gefragt: Was müssen Kaffeetrinkerinnen über deinen Kaffee wissen? Ihre Antwort:
„The coffee they are drinking is from women and is well looked after — specialty coffee. But the women who produce this coffee, they are not drinking their coffee themselves. Because they don't have the machines for processing. They need their own equipment."
Und dann, schelmisch: „So tell the people in Germany they should drink more coffee. So you can buy not just mine, but theirs too. So these women can invest."
PROZESS: 100% NATURAL ROBUSTAANBAUHÖHE: 1280 MNOTEN: BITTERSCHOKOLADE, LEICHT ERDIG, MALZ MEDIUM-DARK ROAST: KRÄFTIGER ESPRESSO | STARK IM VOLLAUTOMATEN | FÜR BIALETTI-FREUNDE
GANZE BOHNE(nicht)unser Kaffee — sondern der von Grace und Mike.
... und von über 5.000 weiteren Farmerinnen und Farmern, die Teil des Hope-Coffee-Netzwerks in Rakai und Kyotera im Süden Ugandas sind:
Hope Coffee ist ein Projekt der 2009 gegründeten NGO Celebrate Hope Ministries — und versteht Kaffee als Werkzeug für echten, langfristigen Wandel. Der Ansatz: nicht Charity, sondern Befähigung und Unterstützung, die unabhängig macht: information is power and so is access.
Das Projekt arbeitet auf zwei Wegen: Familien in schwierigen Verhältnissen erhalten zu Beginn rund 300 Kaffeesetzlinge und werden sechs bis acht Jahre finanziell und ideell begleitet — bis sie eigenständig vom Kaffeeanbau leben können. Dann scheiden sie aus dem Programm aus. Parallel dazu unterstützt Hope bestehende Farmerinnen und Farmer durch Trainings und regelmäßige Besuche auf ihren Farmen.
Kern ist dabei holistisches Denken und der Fokus auf die Veredelung, damit mehr Geld bei den Farmerinnen und Farmern bleibt: Statt die Kaffeekirschen für wenig Geld an Zwischenhändler zu verkaufen, bringen Farmer ihren getrockneten Kaffee auf den Campus von Hope — und können dort gegen eine kleine Gebühr ihre Ernte selbst entpulpen und sortieren. Den fertigen Kaffee können sie zum tagesaktuellen Marktpreis an Hope verkaufen — oder nehmen ihn mit und verkaufen ihn anderswo, falls sie dort mehr erzielen. Hope kauft immer ab, auch bei Qualitätsproblemen — dann mit Abstrichen und dem gemeinsamen Ziel, die nächste Ernte zu verbessern. Keine Farmerin, kein Farmer bleibt auf ihrer/seiner Ernte sitzen — und bleibt dabei vollständig unabhängig.
Ergänzt wird das durch die Celebrate Hope SACCO — eine eigens gegründete Community Bank. Farmerinnen und Farmer können dort Konten eröffnen, sparen und vergünstigte Kredite aufnehmen. Ziel ist finanzielle Bildung und echte wirtschaftliche Selbstständigkeit — besonders für Frauen.
Der holistische Ansatz zeigt sich auch im Kleinen: In den Trainings werden Frauen und Männer aktiv befähigt, eigenständig in der Kaffee-Wertschöpfungskette aufzutreten — und Männer wie Väter angehalten, ihren Töchtern Ressourcen, Entscheidungsmacht und im besten Fall Land zu übergeben. Auf den Farmen selbst wird geforscht: Macadamia-Anbau, Bienenhaltung und Wasserretention steigern die Biodiversität und schaffen zusätzliche Einkommensquellen.
Was uns bei unserem Besuch vor Ort am meisten beeindruckt hat: Dieser Ansatz baut keine Abhängigkeit auf. Der Fokus liegt darauf, Ressourcen und Wissen zu teilen — die Entscheidungsmacht bleibt immer bei den Farmerinnen und Farmern selbst.
PROZESS: 100% NATURAL ANAEROBIC ARABICA ANBAUHÖHE: 2040 M NOTEN: SCHOKOLIERTE HIMBEERE, FLIEDER, MINZE LIGHT ROAST: FRUCHTIGER FILTER | AEROPRESS GANZE BOHNE Das ist (nicht)unser Kaffee — sondern der von Frederick Kishero.
Wenn du Frederick Kishero auf der Familienfarm am Mount Elgon besuchst, triffst du einen gelassenen jungen Farmer, der guten Kaffee seit der Kindheit kennt — und als Sohn von Oliver den Ehrgeiz geerbt hat, stetig zu optimieren und zu experimentieren. Sein anaerober Arabica gibt ihm recht: fruchtig-spannend, modern-funky.
Anaerob heißt: ohne Sauerstoff. Nach der Ernte verschließt Frederick die Kaffeekirschen dafür mehrere Tage lang luftdicht in Tanks, statt sie offen an der Luft trocknen zu lassen. Ohne Sauerstoff übernehmen Mikroorganismen die Arbeit: Statt der Bakterien und Pilze, die beim offenen Trocknen in der Sonne aktiv sind, dominieren jetzt vor allem Milchsäurebakterien und Hefen — dieselben, die auch Sauerkraut, Kimchi oder Wein ihren Geschmack geben. Sie wandeln die Zuckerstoffe der Kirsche in Säuren und Aromastoffe um, die typisch sind für Fermentiertes — genau diese Verbindungen sind es, die dem Kaffee seine fruchtig-weinigen Aromen geben.
Im Filter zeigt dieser Kaffee, was die anaerobe Fermentation eigentlich bringt: mehr Fruchtsüße, mehr Aromenvielfalt, eine Tasse, die auch beim dritten Schluck noch interessant bleibt. Kein Kaffee für nebenbei — sondern einer, der auffällt, ohne dabei anstrengend zu sein.
Im Filter zeigt dieser Kaffee, was die anaerobe Fermentation eigentlich bringt: Er schmeckt süßer, fruchtiger und leichter als du es von Kaffee gewohnt bist, fast wie reifes Obst. Und er bleibt spannend — beim dritten Schluck entdeckst du noch was Neues, statt dass alles gleich schmeckt. Kein Kaffee für nebenbei, sondern einer, der auffällt, ohne anstrengend zu sein.
PROZESS: 100% WASHED ARABICAANBAUHÖHE: 1700 M NOTEN: SCHWARZER TEE, KRÄUTER, KAKAOMEDIUM ROAST: ESPRESSO | FÜR CAPPUCCINO LIEBHABERINNENGANZE BOHNE(nicht)unser Kaffee — sondern der von Massa Ahamed Muffi:
Wenn du Massa auf seiner Farm in der Bugisu-Region am Rande des Mount Elgon besuchst, triffst du einen versierten Farmer, der stolzes Mitglied der Bufumbo Organic Cooperative ist. Was als kleine Erzeugergemeinschaft begann, ist heute eine wachsende Kooperative, die für organischen und Fair-Trade-zertifizierten Arabica in Uganda steht — und genau darauf sind die Mitglieder von BOFA sichtlich stolz: auf die Bio-Zertifizierung, aber genauso darauf, dass sie sich als Kooperative organisiert haben, statt einzeln zu wirtschaften. Wir haben BOFA mittlerweile mehrfach besucht — unter anderem dort, wo die Kaffeekirschen nach der Ernte sortiert werden, Bohne für Bohne von Hand geprüft, bevor sie in die Weiterverarbeitung geht.
Auf 1.700 Metern angebaut und gewaschen verarbeitet, schmeckt Massas Arabica typisch für die Mbale-Region: kräftig-herb, nicht zu süß, mit Noten von schwarzem Tee, Kräutern und Kakao — ein Kaffee, der besonders im Cappuccino oder Espresso Macchiato ausbalanciert hervorsticht.
(nicht)unser Kaffee. Aber unsere Verantwortung.
Wir hören zu. Schreib uns.